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ServiceNows neue KI-Welle: Das Ende manueller Finanzprozesse?

MH

Dr. Maher Hamid

21. Juli 2026

Die Nachricht, die mehr als nur Ihre IT betrifft

In der Woche vom 16. Juli 2026 kündigte eine Reihe von Partnerunternehmen, darunter Ciroos und Hitachi Digital Services, die Zertifizierung neuer KI-Anwendungen im ServiceNow Store an. Was auf den ersten Blick wie eine technische Randnotiz für IT-Abteilungen klingt, ist in Wahrheit ein strategisches Signal für jede Schweizer Finanz- und Führungskraft: Die Automatisierungswelle durch Künstliche Intelligenz erfasst nun mit voller Wucht die Kernprozesse im Finanzwesen, und zwar auf der Workflow-Ebene.

ServiceNow, traditionell als führende Plattform für IT Service Management (ITSM) bekannt, positioniert sich damit endgültig als das, was das Unternehmen selbst als "AI Control Tower for Business Reinvention" bezeichnet. Die neuen Integrationen sind der Beweis, dass diese Vision Realität wird. Sie zielen darauf ab, ganze Arbeitsabläufe autonom zu gestalten, und das weit über die Grenzen der IT hinaus.

Warum Ihr ERP nicht die ganze Antwort ist

Viele Unternehmen in der Schweiz haben in den letzten Jahren stark in die KI-Fähigkeiten ihrer ERP-Systeme wie SAP oder Oracle investiert. Diese Tools sind exzellent darin, Daten *innerhalb* des Systems zu analysieren, Berichte zu erstellen und Prognosen zu wagen. Doch die tägliche Arbeit im Controlling und in der Buchhaltung besteht zu einem grossen Teil aus Prozessen, die das ERP-System überschreiten.

Denken Sie an typische Abläufe:

  • Rechnungsfreigabe: Eine Rechnung kommt per E-Mail, muss geprüft, einer Kostenstelle zugeordnet, vom Linienvorgesetzten freigegeben und schliesslich im ERP verbucht werden. Dazwischen liegen E-Mails, Rückfragen und manuelle Dateneingaben.
  • Lieferanten-Onboarding: Ein neuer Lieferant muss validiert, seine Daten in mehreren Systemen erfasst und die Compliance geprüft werden, bevor die erste Bestellung ausgelöst werden kann.
  • Monatsabschluss: Zahlreiche Abklärungen und Abstimmungen zwischen verschiedenen Abteilungen sind nötig, bevor die finalen Zahlen im Hauptbuch festgeschrieben werden können.

Genau hier setzt die Strategie von ServiceNow an. Die Plattform automatisiert nicht die Buchung selbst, sondern den gesamten, oft mühsamen Prozess *darum herum*. Sie orchestriert die Aufgaben, holt Freigaben ein, verschickt Erinnerungen und dokumentiert jeden Schritt revisionssicher. Die neuen KI-Agenten können dabei repetitive Aufgaben, wie die Klassifizierung einer Anfrage oder das Extrahieren von Daten aus einem PDF, vollständig autonom übernehmen. Das Ergebnis ist eine drastische Reduktion manueller Arbeit und eine massive Beschleunigung der Abläufe.

Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet

Für Schweizer KMU und Konzerne ist dieser Ansatz aus drei Gründen besonders relevant:

  1. Bestehende Investitionen nutzen: Viele Unternehmen haben ServiceNow bereits im Einsatz. Die Erweiterung auf Finanz-Workflows ist oft einfacher und kostengünstiger als die Einführung einer komplett neuen Insellösung.
  2. Compliance und Datenschutz (revDSG): Ein zentralisierter Workflow-Ansatz auf einer etablierten Plattform erleichtert die Einhaltung regulatorischer Vorgaben. ServiceNow bietet robuste Frameworks für Datensicherheit und Datenschutz, was für den Umgang mit sensiblen Finanzdaten unter dem revidierten Datenschutzgesetz unerlässlich ist.
  3. Effizienz im Fachkräftemangel: Indem Sie hochqualifizierte Finanzfachleute von repetitiven administrativen Aufgaben befreien, steigern Sie nicht nur die Effizienz, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit. Die Controller können sich auf strategische Analysen und die Optimierung von Prozessen konzentrieren, anstatt E-Mails hinterherzujagen.

Ihre konkrete Handlungsempfehlung

Diese Entwicklung ist keine Zukunftsmusik, sondern eine unmittelbare Chance. Warten Sie nicht, bis Ihre IT-Abteilung auf Sie zukommt. Ergreifen Sie als Finanz- oder Führungskraft die Initiative:

  • Identifizieren Sie die Schmerzpunkte: Wählen Sie diese Woche zwei bis drei Finanzprozesse aus, die durch manuelle Schritte, Medienbrüche und viele E-Mails gekennzeichnet sind. Typische Kandidaten sind die Kreditorenrechnungs-Verarbeitung oder das Spesenmanagement.
  • Sprechen Sie mit Ihren Plattform-Verantwortlichen: Vereinbaren Sie einen Termin mit dem internen Product Owner für die ServiceNow-Plattform. Fragen Sie gezielt nach den neuen Möglichkeiten im Bereich "Accounts Payable Operations" oder den generativen KI-Fähigkeiten von "Now Assist".
  • Fordern Sie einen Business Case: Beauftragen Sie ein kleines Team, einen Pilotversuch für einen der identifizierten Prozesse zu skizzieren. Definieren Sie klare Kennzahlen (KPIs) wie die Reduktion der Durchlaufzeit oder der Fehlerquote. Die potenziellen Einsparungen sind oft so signifikant, dass sich die Investition schnell rechtfertigen lässt.

Die Intelligenz wandert von den reinen Datensilos der ERP-Systeme in die agilen Workflow-Plattformen. Für Finanzabteilungen ist dies die Chance, sich von reaktiver Administration zu proaktiven Gestaltern effizienter Unternehmensprozesse zu entwickeln.

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